Das Arbeitsgesetz (ArG) ist ein eigentliches Gesundheitsschutzgesetz für ArbeitnehmerInnen und Arbeitnehmer. Es ist seit dem 1. August 2000 in Kraft.
Für die Spitäler und Heime galt auf Grund einer Intervention des seco zwischen den Sozialpartnerlnnen ein Stillhalteabkommen bis zum 30. Juni 2002. Es war strittig, wie das ArG in den Betrieben des Gesundheitsbereiches gesetzeskonform umgesetzt werden kann. Ab 30. Juni 2002 gelten die Bestimmungen des ArG für alle privatrechtlich Angestellten mit OR-Vertrag. Arbeitnehmende mit öffentlich-rechtlichen Anstellungsverträgen sind bis heute dem ArG nicht resp. nicht vollständig unterstellt. Eine Unterstellung dieser Beschäftigten ist auf 2005 vorgesehen. Der Grund dafür ist die Überweisung der Motion Suter im eidgenössischen Parlament, welche die Unterstellung der Assistenzärztlnnen unter das ArG verlangt.
Bis zum 15. Oktober 2003 lief eine Vernehmlassungsfrist des Bundesrates. Dieser schlägt vor, sämtliche Spitäler und Kliniken allen Bestimmungen des ArG zu unterstellen. Die Bündner Regierung lehnt dieses Ansinnen in ihrer Vernehmlassung ab. Sie verweist auf die nach ihrer Ansicht genügenden Schutzbestimmungen des öffentlichen Rechtes.
Wie in der übrigen Schweiz soll es nach Meinung der Bündner Regierung weiterhin zwei Kategorien von Heim- und Spitalangestellten geben, nämlich solche, auf die das ArG vollumfänglich anwendbar ist und solche, bei denen dies nicht der Fall ist. Sogar auf dem Spitalplatz Chur gilt keine einheitliche Regelung: Das Kreuzspital ist dem ArG unterstellt, das Kantonsspital nicht. Dieser Umstand schafft zwei Kategorien von Arbeitnehmenden, nämlich solche, deren Gesundheitsschutz vollumfänglich wahrgenommen wird und solche, deren Gesundheitsschutz unvollständig resp. mangelhaft ist.
Im Weiteren ist davon auszugehen, dass diejenigen Betriebe, die dem ArG unterstellt sind, dieses nicht oder nur teilweise umsetzen. Den Gewerkschaften sind diesbezügliche Missstände bekannt. Erwähnt seien hier nur drei beispielhafte Fälle:
Eine Spitalangestellte arbeitet durchgehend von abends 19h bis morgens 07h, meist ohne Pausen, da dies der Arbeitsaufwand nicht zulässt. Dies widerspricht dem ArG in mehreren Punkten. So sind 12 Stunden Arbeit innerhalb von 12 Stunden nur erlaubt, wenn die meiste Zeit Präsenzzeit und mind. 4 aufeinander folgende Stunden Ruhezeit mit Ruhegelegenheit darstellen.
Eine Angestellte in einem Altersheim erhält den obligatorischen Zeitzuschlag von 10% für regelmässige Nachtarbeit als Geldbetrag ausbezahlt. Dies widerspricht dem ArG, der Zeitzuschlag muss zwingend als bezahlte Freizeit abgegolten werden,
Eine Angestellte in einer Privatklinik arbeitet zu 100% als Pflegefachfrau im Tagdienst. Gleichzeitig muss sie während 14 Tagen ununterbrochen während der Nacht und am Wochenende Pikettdienst als Bereitschaftsdienst leisten, Dieser Pikettdienst wird minimal abgegolten (am Wochenende Fr. 2-/Stunde). Dies widerspricht dem Arbeitsgesetz in mehreren Punkten, sind doch sowohl die Dauer und die Häufigkeit des Pikettdienstes, dessen Abgeltung und die nötigen Ruhezeiten bei Weitem nicht gesetzeskonform.
Aus diesen Gründen bitten wir die Regierung um die Beantwortung der folgenden Fragen:
1. Bis wann und mit welchen Mitteln gedenkt die Regierung, den Gesundheitsschutz auf der Basis des Arbeitsgesetzes (als minimalem Standard) für alle Angestellten in Spitälern und Heimen im Kanton Graubünden zu gewährleisten?
2. Für den Vollzug des ArG ist das DIV resp. das ihm unterstellte Arbeitsinspektorat zuständig. Wie, mit welchen Mitteln und welcher Intensität wird der Vollzug des ArG in den Bündner Spitälern und Heimen begleitet, resp. kontrolliert?
3. Mit welchen zusätzlichen Aufwändungen personeller und finanzieller Art rechnet die Regierung, wenn der Bundesrat per 1 Januar 2005 alle Betriebe im Gesundheits- und Sozialbereich dem ArG unterstellt?
4. Welche Massnahmen beabsichtigt die Regierung in diesem Falle zu ergreifen, um per 1. Januar 2005 gesetzeskonforme Arbeitsbedingungen in den Bündner Spitälern und Heimen zu gewährleisten?
Chur, 8. Dezember 2003
Name: Peyer, Trepp, Pfiffner, Arquint, Baselgia-Brunner, Bucher-Brini, Frigg-Walt, Jaag, Jäger, Meyer Persili (Chur), Noi, Pfenninger, Schütz, Caviezel (Chur), Gartmann
Session: 8.12.2003
Vorstoss: dt Anfrage